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Chris Hofmann, ein Experte für Finanzen, sagte in einem Interview, dass das traditionelle Fest- und Tagesgeld momentan eine Wiederbelebung erlebt


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Aktuell sind die Zinsen stark gestiegen. Heißt das, dass ETFs weniger interessant werden? Und wie sieht es aktuell mit Anleihen und Tagesgeld als Alternative aus? Finanzexpertin Chris Hofmann von Vanguard erklärt die aktuellen Trends am Finanzmarkt und gibt Einsteiger:innen Tipps für den Investmentstart mit ETFs und Co.

Vanguard-Finanzexpertin Chris Hofmann in einer Collage

Vanguard-Finanzexpertin Chris Hofmann in einer Collage: „Gerade um längerfristige Ziele zu erreichen, erscheinen ETFs, die breit gestreut wichtige Kernmärkte abdecken, besonders geeignet.“

DAS INVESTMENT Academy: Wie wird sich der ETF-Markt in den kommenden Jahren mit höheren Zinsen entwickeln?

Chris Hofmann: Der ETF-Markt ist außergewöhnlich widerstandsfähig. Trotz steigender Zinsen im vergangenen Jahr erzielten europäische ETFs laut Morningstar Mittelzuflüsse von insgesamt 78,4 Milliarden Euro. Das spricht dafür, dass sich der positive Nachfragetrend fortsetzt.

Die höheren Zinsen können dabei sogar eine treibende Kraft darstellen, da Investoren wegen der höheren Anleiherenditen ihre Portfolios wieder verstärkt auf festverzinsliche Wertpapiere ausrichten. So flossen allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nach Auswertung von Morningstar 61 Milliarden Euro in europäische Anleihen-ETFs.

Dass ETFs weiterhin so gefragt sind – und das auch in volatilen Marktphasen – hat seine Gründe. Sie sind transparent, kostengünstig, bieten die Möglichkeit einer breiten Diversifikation und können an der Börse gehandelt werden. Sie stellen daher auch ein ideales Vehikel für die Altersvorsorge dar, etwa über ETF-Sparpläne.

Welchen Einfluss hat die Zinslandschaft auf ETFs im Allgemeinen?

Chris: Das Comeback der Zinsen bietet auch konservativen Anlegern die Möglichkeit, ihr Kapital rentabel für sich arbeiten zu lassen.

In diesem Zusammenhang rücken auch Multi-Asset-Strategien wieder in den Fokus. Der Klassiker ist dabei eine Mischung aus Aktien und Anleihen.

Wir sehen infolge des höheren Zinsniveaus aktuell einen starken Zufluss in Anleihen-ETFs, sowohl in Europa als auch in den USA. Allein in diesem Jahr flossen 27,2 Milliarden US-Dollar in europäische Anleihen-ETFs bis Mai 2023, Staats- und Unternehmensanleihen machten dabei den größten Anteil mit 12,0 Milliarden beziehungsweise 10,5 Milliarden US-Dollar aus.

Das heißt aber nicht, dass Aktien-ETFs aus der Mode sind. Im Gegenteil: Der Aktienmarkt stellt weiterhin eine quasi unverzichtbare Anlageklasse für langfristig orientierte Investoren dar, die attraktive Renditen anstreben.

Kursrückschläge wie im vergangenen Jahr hat es schon immer gegeben und wird es auch in Zukunft geben. Da heißt es, einen kühlen Kopf bewahren und sich auf das zu konzentrieren, worauf es ankommt, etwa auf die Anlageziele oder eine möglichst breite Diversifikation.

Letzteres bieten beispielsweise ETFs auf den FTSE-All-World-Index. Damit haben Anleger Zugang zu Aktien aus 24 Industrie- und 23 Schwellenländern weltweit.

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Der Markt wächst aktuell weiter. Wie wird sich der Preisdruck der Anbieter auf die Gebührenstrukturen auswirken?

Chris: Wir beobachten, dass die Kosten auf dem ETF-Markt durch den zunehmenden Preisdruck sinken. Dieser Preiskampf unter Anbietern ist aber auch ein Preissieg für Anleger.

Welche Finanzprodukte sind im aktuellen Zinsumfeld die größten Konkurrenten für ETFs und warum?

Chris: Das traditionelle Fest- und Tagesgeld erlebt derzeit eine Renaissance. Das beobachten wir anhand steigender Bankeinlagen. Der ETF-Markt ist jedoch vielfältig aufgestellt. Das Angebot enthält auch Geldmarkt-ETFs, die sehr nah an einer Fest- und Tagesgeldverzinsung sind.

Eine direkte Konkurrenz haben ETFs nicht. Entscheidend bleibt jedoch die gesamte Asset-Allokation.

Bei der eigenen Asset-Allokation gelten immer die vier Grundprinzipien der Geldanlage:

  • klare und realistische Ziele,
  • Balance durch ein breit gestreutes Portfolio,
  • niedrige Kosten und
  • Disziplin bei der langfristigen Geldanlage.

Was sind die wichtigsten Unterschiede der Anbieter am ETF-Markt und worauf sollten Anleger:innen bei der Wahl ihres Anbieters konkret achten?

Chris: Tatsächlich verführen die einfache Handhabung und eine wachsende Auswahl an ETFs, die spezielle Marktsegmente oder Strategien abbilden, viele Anleger zu aktivem Anlageverhalten.

Grundsätzlich gilt hier: Durch breite Diversifizierung lassen sich unnötige Risiken vermeiden. Gerade um längerfristige Ziele zu erreichen, erscheinen daher ETFs, die breit gestreut wichtige Kernmärkte abdecken, besonders geeignet.

  • Anbieter, die ihre Produktpalette auf breit streuende Kerninvestments in die Anlageklassen Aktien und Renten ausrichten, die den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge unterstützen, erleichtern Anlegern die Auswahl.
  • Abgesehen davon sollte der Anleger natürlich auch auf die Größe des Anbieters achten und auf die Produktkosten.

Worauf sollten Anleger:innen bei der Auswahl von ETFs konkret achten und warum?

Chris: Anleger sollten zunächst ihre persönlichen Anlageziele festlegen.

Dazu zählen die folgenden Fragen:

  • Welche Erwartungen habe ich an meine Geldanlage?
  • Wie hoch ist die Risikobereitschaft?
  • Welcher Anlagehorizont ist geplant?

Sind diese Parameter abgesteckt, treffen Anleger die Entscheidung, auf welchen Indizes der Schwerpunkt liegt – in der Praxis sind hier besonders ETFs geeignet, die globale Aktienindizes nachbilden.

  • Neben der Auswahl des Index gilt es auch auf die Gesamtkostenquote (TER) des ETFs im Zusammenhang mit der Qualität zu achten. Der Preis allein ist nicht ausschlaggebend für eine hohe Qualität. Eine Historie von mehreren Jahren am Markt kann beispielsweise Aufschluss darüber geben, ob und in welchem Umfang die Wertentwicklung des ETF von der Indexentwicklung abweicht.
  • Die Kennzahl dafür ist der Tracking Error (TE), über den sich die Qualität des Fondsmanagements bewerten lässt. Je geringer der TE, desto präziser ist die Nachbildung des Index durch den ETF.
  • Zudem sollte der ETF eine Mindestgröße hinsichtlich des investierbaren Anlagevolumens erreicht haben. Hierbei gilt: Je höher das verwaltete Vermögen, desto besser die Handelsliquidität und desto geringer ist die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis.

Wie kommen Anleger:innen an diese Informationen?

Chris: Für viele Anleger ist das Internet die Hauptinformationsquelle, um eigenständige Finanzentscheidungen zu treffen. Die Tatsache, dass Informationen jederzeit online zugänglich sind, erhöht das Interesse von Anlegern und führt dazu, dass ETFs weiter an Beliebtheit gewinnen.

Anleger sollten jedoch immer die Aktualität und Qualität der Quelle prüfen. Veraltete oder fehlerhafte Informationen können zu unerwünschten Anlageergebnissen führen.

Neben der eigenen Recherche sollten gerade weniger erfahrene Anleger eine professionelle Finanzberatung in Erwägung zu ziehen.

Warum sind die Kennzahlen zur Gesamtkostenquote, die Historie der ETFs und die Wertentwicklung im Vergleich zur Indexentwicklung wichtige Kennzahlen?

Chris: Die Entwicklung der Märkte kann niemand mit Bestimmtheit vorhersagen.

Die Kostenstruktur ist jedoch beeinflussbar und deshalb ein wichtiger Faktor bei der Geldanlage. ETFs verfügen über eine deutlich niedrigere Gesamtkostenquote als aktiv gemanagte Fonds. Das ist ein wichtiger Punkt, denn langfristig haben die Kosten einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtrendite der Anlage.

Damit Anleger eine fundierte Entscheidung für oder gegen ein Produkt treffen können, sollten sie immer die Historie und die Wertentwicklung im Vergleich zur Indexentwicklung berücksichtigen. Allein der Preis ist nicht ausschlaggebend, denn das Produkt sollte immer zum individuellen Anleger passen – zu seinen Erwartungen, seinem Anlagehorizont und seiner Risikobereitschaft. 

Zur Interviewpartnerin

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Finanzfluss

Chris Hofmann ist Vanguard.

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Author: Nicholas Medina

Last Updated: 1703865362

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